Das KSA im Einsatz

Wichtig ist: Das KSA klärt ausschließlich militärisch relevante Sachverhalte und Interessengebiete außerhalb des Hoheitsgebiets der Bundesrepublik Deutschland auf. Die Aufklärung richtet sich niemals gegen deutsche Staatsbürger. Beiträge zu Schutz und Sicherheit der deutschen Streitkräfte im Einsatz haben erste Priorität. Deshalb erfüllt das KSA hier auch eine zweifache Funktion: Es ist zum einen Informationsbereitsteller – auf Neudeutsch »Information Provider« und zum anderen stellt es maßgeschneiderte Aufklärungskontingente (»Task Forces«) für die Einsatzgebiete bereit – ist also auch »Force Provider«.
Task Forces des KSA sind fast überall dort anzutreffen, wo deutsche Streitkräfte im Einsatz sind, im Kosovo, in Afghanistan und zukünftig im Kongo. Eine luftlandefähige Aufklärungskomponente als Bestandteil eines nationalen Evakuierungsverbands ist im Aufbau und in Teilen bereits einsatzfähig.
Im Unterschied zu vielen anderen Großverbänden ist das KSA ohne Unterbrechung im Einsatz, muss sich also aus sich selbst heraus regenerieren. Die Struktur der mobilen Verbände ist da-rauf ausgelegt, wir sind durchaltefähig. Unsere Einsatzkräfte sind für ihren Schutz selbst verantwortlich, ihre Ausrüstung mit gepanzerten Radfahrzeugen unterscheidet sich daher grundsätzlich nicht von denen der Kampftruppen. Daraus folgt auch: die EloKa-Soldaten müssen infanteristische Verhaltensweisen beherrschen, der »bewaffnete Elektroniker«, der sich ausschließlich als Fachmann versteht, gefährdet sich selbst und andere. Auf diesen Aspekt legen wir in der Ausbildung größten Wert.
Genauso viel Wert legen wir darauf, dass die militärischen Führer im Einsatzland wissen, was sie von uns erwarten können – und was nicht. Deshalb weisen wir das Führungspersonal der Einsatzleitbrigaden vor dem Einsatz intensiv in unser Fähigkeitsprofil ein. Denn: gerade unter den Bedingungen der gegenwärtig alle Einsatzgebiete prägenden »asymmetrischen Bedrohung« muss der militärische Führer seine Aufklärungskräfte mitdenken lassen, um sie effizient einzusetzen. Es reicht nicht mehr zu sagen: »Ich will wissen …«, sondern es muss heißen: »Ich vermute, dass … und will deshalb herausfinden, ob …«. Der ständige Informationsaustausch zwischen Operation und Aufklärung ist essentiell und darf auch nicht unter Zeitknappheit leiden. Anderenfalls würde man nach der Devise handeln »Ich habe keine Zeit, meine Säge zu schärfen. Ich muss Bäume fällen«.
Ein anderes prägendes Element für die signalerfassende Aufklärung im Einsatz wird durch die Eingangsbemerkungen über die Charakteristika der Massenkommunikation deutlich: wir werden aus den unterschiedlichsten Gründen niemals so viele Aufklärungskräfte im Einsatzland haben, dass wir das Kommunikationsangebot dort auch nur annähernd zeitgerecht filtern und auswerten könnten. Deshalb helfen wir uns mit dem so genannten »Reach-Back«-Verfahren. Das bedeutet: die Masse der Aufklärungsrohdaten fließt zur Auswertung an die Heimatstandorte und geht aufbereitet – und versehen mit zusätzlichen Informationen – zurück in das Einsatzgebiet. Natürlich sind unsere Aufklärungskräfte im Einsatz­and viel mehr als ein Staubsauger – aber so ganz falsch ist das Bild auch nicht. Die Aufklärungskräfte im Einsatzgebiet sind jedenfalls nicht autark – und können es auch niemals sein. Umgekehrt heißt das: ein wesentlicher – und ständig steigender – Anteil der in Deutschland stationierten Kräfte des KSA arbeitet ebenfalls ständig und unmittelbar für den Einsatz.

Die Zukunft

Das KSA hat offensichtlich mit seiner klar gegliederten Struktur, seiner deutschlandweiten Stationierung, seiner Personalstärke von rund 7.000 Männern und Frauen und auf Grundlage der in den letzten Jahren erreichten Akzeptanz ein Stadium erreicht, in dem es durch seine Schwerkraft neue Aufgaben geradezu anzieht. Deshalb gefällt es dem Dienstherrn, dem Kommando ab 2007 zusätzliche Aufgaben zuzuweisen, die aufgrund ihrer Komplexität und anderen Qualität einen neuen Führungsansatz und deshalb auch eine Umstrukturierung des Stabes erforderlich machen werden: Im Juli 2005 wurde entschieden, Aufgaben und Dienstposten der zentralen Lagebearbeitung des »Zentrums für Nachrichtenwesen der Bundeswehr« (ZNBw) ab 2007 zum Bundesnachrichtendienst zu verlagern. Das bedeutet, dass die übrigen, weiterhin durch die Streitkräfte wahrzunehmenden Aufgaben des ZNBw dem KSA zugeordnet werden. Es sind dies im Wesentlichen:

  • Grundsatzangelegenheiten und Weiterentwicklung des Militärischen Nachrichtenwesens der Bundeswehr,
  • Objektbearbeitung und Infrastrukturanalyse als Voraussetzung für die Teilhabe an der Ziel- und Wirkungsanalyse der NATO und EU,
  • die Fachausbildung für das Personal des Militärischen Nachrichtenwesens der Bundeswehr (die Lehrgruppe MilNW des ZNBw – bisher in Bad Ems stationiert – wird mit der Aufklärungsschule des Heeres in Munster koloziert und der Schule Strategische Aufklärung unterstellt).

Unter dem Strich wird das KSA die einzige Kommandobehörde für das Militärische Nachrichtenwesen im Verantwortungsbereich BMVg werden. Zugleich ist beabsichtigt, dem Kommandeur KSA die Zusatzfunktion »Beauftragter Nachrichtengewinnung und Aufklärung des Bundesministers der Verteidigung für die Zusammenarbeit mit dem BND« zu übertragen.
Damit nicht genug: In der Bundeswehr wird ab 2007 eine neue Fähigkeit für »Informationsoperationen« (InfoOp) und »Computer Netzwerk Operationen« (CNO) aufgebaut. Das dazu vorgesehene Organisationselement wird als Abteilung InfoOp/CNO ebenfalls dem Stab KSA angegliedert. Insbesondere bei CNO handelt es sich für die Streitkräfte um Neuland mit den entsprechenden operativen und juristischen Fragestellungen, die einer sehr sorgfältigen Analyse bedürfen.
Wir werden auch intern – mit den bereits vorhandenen Fähigkeiten – einen Mehrwert anstreben. Es liegt auf der Hand, dass aus der Zusammenführung von Informationen aus den Bereichen »Signal« und »Bild« völlig neue Erkenntnisse von besonderer Einsatzrelevanz entstehen können. Darauf arbeiten wir hin. Die zusätzlichen externen und internen Koordinationsaufgaben und die insgesamt deutlich wachsende operative Verantwortung machen eine neue Führungsstruktur – heißt: eine Neuorganisation des Stabes – erforderlich. Dies wollen und müssen wir bis Ende des Jahres erledigt haben.

Eine anspruchsvolle Aufgabe

Das KSA arbeitet am Frontende der technischen Entwicklung, weil es ständig mit der Revolution auf dem Kommunikationssektor Schritt halten muss. Dies ist für die Aufklärer als »Jäger und Sammler« ständige Motivation und erzeugt Berufsstolz. Das KSA ist strukturell sehr gut aufgestellt. Mit drei Regiments- und sechs Bataillonsäquivalenten ergeben sich für leistungsstarke Offiziere (sinngemäß auch für die Unteroffiziere) gute Chancen für Führungspositionen. Theoretisch kann ein Soldat von der Einstellung an alle Führungsfunktionen in der Hierarchie bis zum General durchlaufen, ohne das KSA jemals zu verlassen. Das wird natürlich in der Praxis nicht geschehen und wäre auch nicht wünschenswert. Denn: wir brauchen den Austausch mit den Teilstreitkräften und legen daher hohen Wert auf Personal- und Gedankenaustausch. Der Dienstleister muss wissen, wie der Bedarf ssträger denkt und arbeitet.
Das KSA ist ständig in den Einsatzgebieten der Bundeswehr präsent und arbeitet auch aus Deutschland heraus mit einem wesentlichen Teil seiner Kräfte für den Einsatz – joint und bereit zur Weiterentwicklung, jeden Tag. Wir wissen, was wir können und was wir zukünftig können wollen.                  

Brigadegeneral Friedrich Wilhelm Kriesel ist Kommandeur des Kommando Strategische Aufklärung.

Eingang der Schule für Strategische Aufklärung der Bundeswehr.
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