Zur Unterstützung bei der Schiffsführung ist der EGV mit modernen Navigations und Ortungsanlagen ausgerüstet, u.a. mit zwei Navigationsradaren einschließlich automatischer Zielverfolgung, mit einer Selbststeuerungsanlage und einer Elektronischen Seekartenanlage (ECDIS). Zur Erfüllung der neusten Sicherheitsforderungen erfolgt eine Einrüstung mit einer AISAnlage (Automatic Information System), welche in Verbindung mit dem Radar- und ECDIS-System eine erhöhte nautische Sicherheit gewährleistet. Über das AIS werden per Funk Schiffsinformationen wie z.B. Geschwindigkeit und Kurs mit den umliegenden Einheiten automatisch ausgetauscht. Damit verfügen die Einheiten jederzeit über eine zuverlässige Gesamtlagedarstellung, wodurch die nautische Sicherheit erheblich gesteigert wird.
Als militärische Führungsanlagen verfügt der EGV u.a. über zwei Link-1 1-Konsolen zum Lagebildaustausch mit dem Einsatzverband. Als weitere Führungs- und Informationsmittel dienen u.a. ein Battle-Force-E-Mail-System, die Anbindung an Colaboration at Sea und eine Videokonferenzanlage.
Für einsatzunterstützende Aufgaben kann eine Bordhubschrauberkomponente aufgenommen werden. Hierzu können bis zu zwei Hubschrauber mit einem Gewicht von bis zu 15 t untergebracht und betrieben werden. Derzeit kommt der Hubschrauber SEA KING Mk 41 zum Einsatz, wobei die Aufnahme des MH90 auch möglich ist. Die Hauptaufgaben der Bordhubschrauber liegen im logistischen und sanitätsdienstlichen Transport, wobei aber auch Seeraumüberwachung, Boarding oder SAR-Einsätze denkbar sind. Die Reichweite des SEA KING MK 41 liegt bei ca. 400 sm, wobei bis zu 18 Personen sitzend oder bis zu sechs Personen liegend transportiert werden können.
Erfahrungen
Im Rahmen vieler Einsätze, z.B. zuletzt vor der Elfenbeinküste oder der Übung STEADFAST JAGUAR vor den Kapverden, hat der EGV nachhaltig bewiesen, welche guten und unverzichtbaren Dienste er leistet. Insbesondere die humanitäre Mission des EGV BERLIN vor Banda Aceh nach der Tsunami-Katastrophe 2004/05 hat eindrucksvoll den Vorteil der hohen Einsatzflexibilität des EGV demonstriert. Die erfolgreichen Einsätze haben verdeutlicht, dass der EGV wirksam als Plattform für unterschiedlichste Aufgaben genutzt werden kann. Der EGV ist damit zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Deutschen Marine und damit der Bundeswehr insgesamt geworden. Dabei geht die Bedeutung des EGV über den rein militärischen Aspekt eines reinen Versorgungsschiffes für die Deutsche Marine und verbündeter Marinen weit hinaus.
Weitere Planungen
Wie groß der Bedarf an den Einsatzgruppenversorgern ist, sowohl zur logistischen Unterstützung der nationalen und internationalen maritimen Einsatzverbände als auch zur Unterstützung anderer Teilstreitkräfte und für humanitären Hilfeleistungen, haben die bisherigen Einsätze demonstriert. Dieser Bedarf wird auch zukünftig bestehen bleiben, für nationale Einsätze und auch für Einsätze der NATO, der EU oder der Vereinten Nationen.
Im Jahr 2004 wurde die Beschaffung eines dritten Einsatzgruppenversorgers als EGV 2. Los eingeleitet. Um die Realisierungsrisiken zu minimieren und die Beschaffungskosten zu begrenzen, ist der EGV 2. Los im Wesentlichen als Nachbau des EGV 1. Los geplant. Gleichwohl müssen Anpassungen an geänderte, aktuelle gesetzliche Vorschriften sowie zwischenzeitlich erfolgte Änderungen beim EGV 1. Los berücksichtigt werden. Auch sind Anpassungen an den aktuellen technischen Stand notwendig, z.B. zum Ersatz von nicht mehr beschaffbaren Anlagen und Komponenten. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Auslegung des EGV 2. Los ist die Berücksichtigung von Erfahrungen aus dem Einsatz und dem Betrieb der EGV 1. Los.
Die Änderungen betreffen etwa den Bereich Rettungsmittel, wo nach den neusten Vorschriften eine vollständige Evakuierung der Besatzung innerhalb von 30 Minuten möglich sein muss. Hierzu wird der EGV 2. Los mit einem so genannten Chute-System ausgerüstet. Während bei herkömmlichen Rettungssystemen die Besatzung u .a. über Kletterrettungsnetze/Jakobsleitern in die Rettungsinseln übersetzen muss, wird bei dem Chute-System die Rettungsinsel über eine Schlauchrutsche sicher und schnell bemannt. Dies ist insbesondere bei einer hohen Bordwand wie der des EGV von erheblichem Vorteil und entspricht den aktuellen zivilen Vorschriften.
Weitere Änderungen ergeben sich im Bereich der Unterbringung der Besatzung, wobei die geänderten Rahmenbedingungen (z.B. steigende durchschnittliche Körpergrößen) und geänderte Anforderungen wie im Sanitärbereich oder beim Bedarf an EDV-Arbeitsplätzen berücksichtigt werden müssen. Anpassungen sind darüber hinaus bei der Antriebsanlage notwendig, um die marinetypischen Fahrprofile besser bewältigen zu können. Weitere Änderungen werden aufgrund der aktuellen Vorschriften auch im Sanitätsbereich notwendig. Durch einen zweiten Krankenraum werden die Betten- und Behandlungskapazitäten verdoppelt. Eingriff- und Behandlungsraum werden auf zwei getrennte Räume verteilt.
Da der EGV zukünftig auch in der Rolle als Einzelfahrer eingesetzt wird, sind Verbesserungen im Bereich der Führung der Hubschrauberleitung erforderlich. Hierdurch wird die sichere Führung von einem oder mehreren Hubschraubern gemäß den nationalen und NATO-Vorschriften gewährleistet. Die Ausrüstung mit einer Hubschrauber-Radar-Leitanlage ist auch als Nachrüstung für die ersten beiden EGV von der Marine gefordert.
Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz hat die Auslegung des EGV 2. Los umfassend mit der Industrie untersucht und erfolgreich wirtschaftliche Lösungen in enger Abstimmung mit der Deutschen Marine erarbeitet. Damit sind die notwendigen Vorarbeiten für einen Bau des EGV 2. Los erfolgreich abgeschlossen. Nach derzeitigen Planungen ist der Beginn der Beschaffung für Mitte 2008 geplant. Damit kann die Indienststellung Anfang 2012 erfolgen. Durch die Beschaffung des EGV 2. Los wird ein wichtiger Grundstein dafür gelegt, dass die Deutsche Marine auch zukünftig ihre Aufträge zu weltweiten Einsätzen erfüllen kann. Damit leistet der EGV 2. Los einen wesentlichen Beitrag zur Handlungs- und Entscheidungsfreiheit der Deutschen Marine und der Bundeswehr.
Hervorragende Unterstützung
Die heutigen Aufträge an die Bundeswehr erfordern, dass die Deutsche Marine jederzeit zuverlässig, unabhängig und weltweit operieren kann. Dies ist den Einsatzverbänden nur mit einer quantitativ und qualitativ ausreichenden logistischen Unterstützung möglich. Qualitativ stellen die zwei im Einsatz befindlichen Einsatzgruppenversorger eine hervorragende, bewährte, zuverlässige und unverzichtbare Unterstützungseinheit dar. Umfang und Art der heutigen und zu erwartenden Einsätze zeigen aber die quantitativen Grenzen, die sich durch nur zwei Schiffe ergeben, wobei regelmäßige notwendige Instandsetzungszeiten bei der Verfügbarkeit zu berücksichtigen sind. Daher sind die Forderungen der Marine nach insgesamt vier Einheiten EGV verständlich und die geplante Realisierung von zunächst einer dritten Einheit EGV gut begründet.
Die technischen Untersuchungen zur Realisierung eines dritten EGV als Nachbau mit Anpassungen an die aktuellen Erfordernisse sind erfolgreich abgeschlossen. Mit der geplanten Beschaffung des EGV 2. Los ab 2008 wird ab 2012 ein dritter EGV verfügbar sein. Damit wird die dauerhafte Unterstützung der Einsatzverbände und ihrer Auftragserfüllung nachhaltig verbessert.
Baudirektor Gunther Brückner ist Angehöriger des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung.