Drohnen-Know-how in Deutschland
Drohnen, heute meist treffender als Unbemannte Luftfahrzeuge UAV (Unmanned Aerial Vehicle) bezeichnet, haben in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Dabei sind es vor allem die großen als HALE (High Altitude Long Endurance) bezeichneten amerikanischen Global Hawk und Predator B, die durch Einsätze in Afghanistan und im Irak bekannt geworden sind. Aber auch in der Bundeswehr ist das Thema nicht neu, verfügt doch die Artillerie seit vielen Jahren über das System CL- 289, das ab Januar 1997 im Kosovo zum Einsatz kam. In Afghanistan sind es die kleineren UAV LUNA und ALADIN, die vom deutschen Heer erfolgreich eingesetzt werden. Bei der weiter zunehmenden Bedeutung der UAV ist es durchaus angebracht, einmal zu untersuchen und darzustellen, welches Know-how auf diesem Hightech- Feld in Deutschland vorhanden ist. Betrachtet werden sollen auch Möglichkeiten internationaler Kooperationen, mit denen das Ziel verfolgt wird, nationale Kompetenz zu ergänzen und abzurunden. Es sind vor allem drei Firmen, die sich in Deutschland erfolgreich mit Drohnen bzw. UAV befassen und über oft sehr unterschiedliches technisches Know-how verfügen:
- die EADS Defence and Security Division über die EADS Deutschland GmbH,
- EMT Ingenieurgesellschaft Dipl.-Ing. Hartmut Euer mbH und
- Rheinmetall Defence Electronics (RDE).
An ihren Lösungen und Angeboten lassen sich die technologischen Fähigkeiten auf diesem Gebiet in Deutschland exemplarisch darstellen. Dabei wird auch deutlich, dass bereits Einsatzerfahrungen vorliegen.
EADS mit breitem Angebot
Die EADS war mit ihrer Tochter Dornier das erste Unternehmen in Deutschland, das sich erfolgreich mit Drohnen, nämlich der CL-89 und später der CL-289 sowie mit Zieldrohnen, befasste. Heute ist der Konzern EADS in der Lage, UAV über die gesamte Bandbreite anzubieten. Ob Micro- oder Mini-UAV, ob MALE oder HALE UAV, es ist annähernd für jeden Bedarf etwas dabei, allerdings in sehr unterschiedlichen Reifegraden. Dabei ist die EADS in der Lage, nicht nur Fluggeräte bereitzustellen, sondern anspruchsvolle Sensorik zu entwickeln und anzubieten.
EuroHawk
Im Oktober 2003 war ein Prototyp des UAV Global Hawk über den Atlantik nach Deutschland geflogen. Dieses größte existierende unbemannte Fluggerät, das von der Firma
Northrop Grumman
mittlerweile unter dem Namen RQ-4A für die U.S. Air Force in Serie gefertigt wird, war mit ELINT-Systemen (Electronic Intelligence) der EADS ausgerüstet worden, um zu demonstrieren, dass es als Ersatz der in der SIGINT-Rolle eingesetzten Fernaufklärer Breguet Atlantic in Frage kommt. (siehe »UAV für weiträumige luftgestützte Aufklärung « ES 8/2004) Zurzeit befindet sich eine gemeinsame Firma von EADS und
Northrop Grumman
mit je 50 Prozent-Anteilen unter dem Namen EuroHawk GmbH mit Sitz in Deutschland in der Gründung. Ziel ist es, die Global Hawk für die SIGINTAufgaben der Bundeswehr zur EuroHawk weiterzuentwickeln.
Drohne CL-289
Mit dem Aufklärungssystem Drohne CL-289 in Kooperation von Bombardier/Kanada, Dornier/Deutschland und Sagem/Frankreich bereits in den 80er Jahren entwickelt verfügt die Artillerie über ein abbildendes Aufklärungsmittel, das zur Lage-, Ziel- und Wirkungsaufklärung mit Luftbildaufnahmen auch in der Tiefe des Raums eingesetzt werden kann. Die CL-289, ein programmiertes Aufklärungssystem, das mit einer Feststoffrakete startet, einen vorbestimmten Kurs fliegt und mit Hilfe eines Fallschirms an einem vorher festgelegten Ort landet, ist aufgrund ihrer hohen Fluggeschwindigkeit (740 km/h) relativ gut gegen feindliche Waffenwirkung geschützt. Die Aufklärungsdaten werden mit einer Reihenbild- sowie einer IR-Kamera aufgenommen und nach der Bergung ausgewertet; darüber hinaus können die Aufklärungsergebnisse (Infrarot) auch mittels Datenfunk aus bis zu 75 km Entfernung an eine Bodenstation gesandt werden. Auf einer Gesamtflugstrecke von ca. 400 km können bis zu 15 Sensorstrecken definiert und abgedeckt werden. Das Drohnensystem CL-289 wurde im Januar 1997 erstmals für Überwachungs- und Aufklärungsflüge über Bosnien-Herzegowina und später im Kosovo erfolgreich eingesetzt. Mit Leistungssteigerungen in der Sensorik und Datenübertragung vor allem ist das System auf jeweils neuem technologischen Stand zu halten.
Nächstbereichs-UAV Tracker
EADS wird im Rahmen des französischen Programms DRAC (Drone de Reconnaissance Au Contact) Nächstbereichs-UAVs auf der Basis des EADS-Systems Tracker für Frankreichs Heer liefern. Dieser Auftrag sieht die Entwicklung, Qualifizierung und Produktion von insgesamt 160 Systemen vor. Die Entscheidung der Beschaffungsbehörde DGA zugunsten des Tracker erfolgte nach internationaler Ausschreibung. Ausschlaggebend waren Mobilität, schnelle Bereitstellung, gute Bildqualität und robuste Architektur. Tracker hat eine Spannweite von 3,60 m und eine Länge von 1,40 m. Das maximale Startgewicht beträgt 7,5, kg. Mit dem als »lenkbares Fernglas« funktionierenden Luftaufklärungssystem DRAC kann der Bediener Tag und Nacht Bilder aus ca. 300 m Höhe in einem Einsatzbereich von 10 km in Echtzeit erfassen, anzeigen und verarbeiten. Das handstartfähige UAV-System DRAC fliegt und landet automatisch und kann bei seiner Eindringtiefe von 10 km mit seinem leisen Elektromotor 90 Minuten autonom in der Luft bleiben.