Wahrnehmung der ZMZ auf Bezirks- und Kreisebene ausschließlich durch Reservisten

Zur Beantwortung dieser Fragen wurde das Wehrbereichskommando II Ende Juli des vergangenen Jahres mit der Modellerprobung »Wahrnehmung der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit auf Bezirks- und Kreisebene ausschließlich durch Reservistinnen und Reservisten« in Rheinland-Pfalz durch das Bundesministerium der Verteidigung beauftragt. Einen vergleichbaren Auftrag erhielt das WBK I für Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Funktionalität des neuen Modells der ZMZ/I auf Bezirks- und Kreisebene sollte dabei im Hinblick auf die zentralen Kriterien Aufgabenerfüllung, Akzeptanz durch die zivile Seite sowie Aufwand und Rahmenbedingungen geprüft werden. Auswirkungen auf die zukünftige Territoriale Führungsorganisation der WBK/ LKdo bzw. LKdo waren zu betrachten und im Juni 2005 ein Erfahrungsbericht vorzulegen.
Beginn der Modellerprobung war der 1. Oktober 2004. Am 4. Oktober überreichte der Befehlshaber in Mainz den ersten elf Beauftragten der Bundeswehr für ZMZ und dem Kommandeur Landeskommando Rheinland-Pfalz ihre Ernennungsurkunde.
Die BeaBwZMZ auf der Bezirks- und Kreisebene sind die ständigen ortsbezogenen Repräsentanten der Bundeswehr im freiwilligen Reservistenstatus. Sie vertreten jeweils im Routinebetrieb (Grundbetrieb) und im Katastrophenfall die Interessen der Bundeswehr gegenüber den zivilen Dienststellen und der Öffentlichkeit. Sie beraten die zivilen Entscheidungsträger hinsichtlich der Unterstützungsmöglichkeiten der Bundeswehr und der Anforderung von Kräften. Sie unterstützen die im Katastrophenfall vor Ort eingesetzten Truppenteile der Bundeswehr. Dazu halten sie enge Verbindung und Arbeitsbeziehungen zu den Bezirken, Landkreisen und Städten, aber auch zu militärischen Dienststellen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Sie nehmen damit im gesamten Spektrum der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit Aufgaben in der Fläche wahr. In Fachfragen stützen sie sich auf das übergeordnete Landeskommando bzw. WBK/LKdo ab. Sie führen keine Truppe. Zu Einsätzen werden geeignete und verfügbare Kräfte aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen herangezogen. Sie bringen ihre eigene Führungsorganisation und Führungsmittel mit und werden den Wehrbereichskommandos für den Einsatz unterstellt. Die Verantwortung für die Einsatzführung liegt bei der zivilen Seite.

Aufgabenerfüllung wird erreicht

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben müssen die BeaBwZMZ die für die zivile Seite wichtigen Voraussetzungen erfüllen. Diese sind Verfügbarkeit für Besprechungen und Übungen, Kenntnis der Hilfsmöglichkeiten der Bundeswehr und des zivilen Krisenstabes sowie Eigenverantwortlichkeit und Kompetenz in der Beratung ihrer Partner. Zur Erfüllung dieser Voraussetzungen ist für die BeaBwZMZ eine systematische Ausbildung im Wechsel von Lehrgängen an zivilen und militärischen Bildungseinrichtungen, Truppenpraktika sowie Einweisungs- und Informationsveranstaltungen zwingend erforderlich. Abhängig von der Vorbildung umfasst die Ausbildung im Normalfall einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren.
Die Intensität der Aufgabenwahrnehmung der BeaBwZMZ wird maßgeblich durch die Gegebenheiten vor Ort bestimmt. Der Zeitansatz je Monat beträgt nach den Erfahrungen der Modellerprobung durchschnittlich – bereinigt um Aufbaueffekte – rund 20 Stunden. Dies stellt natürlich relativ hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit des Personals, macht aber auch die Notwendigkeit und Bedeutung der Aufgabe deutlich. Nach den bisherigen Erkenntnissen aus der knapp einjährigen Erprobung sind die Soldaten der Reserve in der Lage, die ihnen im Grundbetrieb und im Einsatz gestellten Aufgaben zu erfüllen. Dies gilt aber nur im Verbund mit und als Ergänzung zu einem aktiven Landeskommando. Aktive Strukturen für die ZMZ im Inland sind deshalb auch weiterhin erforderlich.
Die durch das neue Modell zu erreichende Kontinuität und die Vor-Ort-Präsenz des ZMZ-Personals in der Fläche sind herausragende Vorteile. Die Beratungskompetenz der BeaBwZMZ kann im Katastrophenfall den notwendigen Zeitvorlauf schaffen, um aktive Kräfte der Streitkräfte rechtzeitig und zielgerichtet zum Einsatz zu bringen. Diese flächendeckende Präsenz von jeweils einem Ansprechpartner war bisher – realistisch betrachtet – nicht gegeben.

Bewährung im Katastrophenfall, Übung »FLORIAN«

Bei der Hochwasserschutzübung »FLORIAN« des WBK II mit dem Land Rheinland-Pfalz im November 2004 wurde die Funktionalität und Belastbarkeit des Modells unter den Bedingungen eines Groß­schadensereignisses und einer Katastrophenlage überprüft:
Trier, 9. September 2004, 20.54 Uhr Ortszeit. Im Einsatzlageraum der Aufsichts­ und Dienstleistungsdirektion (ADD) im Kurfürstlichen Palais zu Trier: Stimmengewirr, Telefongebimmel, Menschen in Zivil, in Feuerwehruniform und im »Flecktarn« der Bundeswehr. Das Bezirksverbindungskommando (BVK) ist als selbstverständlicher Teil in den Katastrophenschutzstab integriert. Im Schichtbetrieb mit jeweils drei Soldaten geben sie Auskunft und übermitteln mit moderner IT-Unterstützung die Forderungen an die Bundeswehr zum Landeskommando nach Mainz. Der Präsident der ADD wörtlich: »Die Reservisten machen einen guten Job und ohne den Berufssoldaten weh tun zu wollen, wir verstehen ihre Sprache, da sie zu uns gehören.«
Das Szenario der Stabsübung »FLORIAN« sah eine Hochwasserkatastrophe von bisher in Rheinland-Pfalz nicht gekanntem Ausmaß vor. Die Katastrophenschutzkräfte reichten bei weitem nicht aus und wurden durch überregionale Hilfe aus benachbarten Bundesländern verstärkt. Auf Anforderung der Landesregierung kam die Bundeswehr zum Einsatz. Unter Führung WBK II/LKdo RLP unterstützten bis zu 17.900 Soldaten aller Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche das Land Rheinland-Pfalz bei der Bewältigung dieser Hochwasserkatastrophe. Spezialisten der Heeresflieger, Pioniere und ABC-Abwehrtruppe kamen ebenso zum Einsatz wie Kräfte allgemeiner Fähigkeiten zur Deichverteidigung. Die ZMZ/I auf der Bezirksebene stützte sich auf ein Bezirksverbindungskommando (BVK) bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier ab, die für die Koordinierung der Katastrophenschutzkräfte im gesamten Land Rheinland -Pfalz verantwortlich ist. Kreisverbindungskommandos (KVK) in der Stadt Koblenz, dem Kreis Germersheim und der Stadt Trier waren in den Katastrophenschutzleitungen vor Ort vertreten und hielten die Verbindung zur eingesetzten Truppe. Nach einem entsprechenden Übungsvorlauf wurde innerhalb einer Woche durch die Stäbe aller Ebenen aus den realen Lagezentren heraus teilweise im Schichtbetrieb geübt. Truppe wurde durch Rahmenleitungskräfte dargestellt und damit für die Stäbe realistische Bilder und Zeitabläufe ermöglicht.
Die wesentliche Leistung der Verbindungskommandos bestand in der Beratung der zivilen Seite über die Fähigkeiten der Bundeswehr, der bewerteten Weiterleitung der zivilen Forderungen an die Bundeswehr und in der koordinierenden Mittlerfunktion hin zur eingesetzten Truppe. Unter den psychischen und physischen Belastungen des Katastrophenszenarios in einem komplexen zivilen Umfeld ist dies keine leichte Aufgabe. Sie wurde aber trotz der geringen Vorbereitungszeit gemeistert, nicht zuletzt dank der Vertrautheit der Soldaten der Reserve mit den Verhältnissen vor Ort. Der Grundansatz des neuen Modells der ZMZ/I auf der Bezirks- und Kreisebene hat sich da-mit in dieser Form für den Katastrophenfall erstmals bewährt. Durch mehrere kleinere Übungen auf der Kreisebene konnte dies, auch nach Aussage der zivilen Verantwortungsträger, seitdem bestätigt werden.

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