Chancen und Herausforderungen für Soldaten der Reserve

Für die Soldaten der Reserve stellt die neue Aufgabe eine Herausforderung und eine Chance dar. Die Funktion als BeaBwZMZ bietet einer Reihe von qualifizierten Stabsoffizieren der Reserve ein neues verantwortungsvolles Feld mit eigenem Wirkungsbereich sowie großem eigenem Gestaltungsspielraum. Es ist aber auch ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Die Bun­deswehr verlangt ihnen ein hohes Maß an Engagement sowie an großer zeitlicher Bindung ab. Sie bietet ihnen dafür eine herausgehobene Position im öffentlichen Raum und im Bereich der Reservisten. Die Personalgewinnung erweist sich allerdings bisher als nicht einfach, zumal viele geeignete Soldaten der Reserve noch in nichtaktiven Bataillonen und damit in Alt­strukturen beordert sind.
Die Anstrengungen richten sich deshalb auf ein Personalgewinnungs- und Personalentwicklungskonzept. Es muss den strukturierten und langfristig angelegten Aufbau der BeaBwZMZ und der Verbindungskommandos im Zusammenwirken aller Zuständigen leisten und ein nachhaltiges Qualitätsmanagement ermöglichen. Dazu gehören insbesondere die Ansprache und Gewinnung geeigneter Soldaten der Reserve und das Aufzeigen von Förderungs- und Weiterbildungsangeboten. Hierbei wird der Verband der Reservisten der Bundeswehr eng eingebunden. Zielgruppe sind in erster Linie die »gewachsenen« Reservisten, aber auch ausge­schiedene Berufssoldaten.

Die zivile Seite unterstützt
den neuen Ansatz

Das Interesse der zivilen Seite auf der Kommunal- und Landesebene richtet sich naturgemäß auf einen zuverlässigen, bekannten Partner für die Bewältigung von Großschadensereignissen, aber auch für Amtshilfe und sonstige die Bundeswehr betreffende Fragen. Natürlich spielen hier auch Ressourcenfragen eine Rolle. Letztendlich geht es im Kern aber um Vertrauen. Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Bundeswehr für Einsätze im Inneren, was wiederum Akzeptanz und Ansehen nach sich zieht. In diesem sensitiven Bereich sind persönliche Bindungen, wie auch die vergangenen Hochwasserkatastrophen deutlich aufzeigten, geradezu unersetzlich. »Dort, wo man sich kannte, lief es einfach besser«, so ein damals beteiligter Regierungspräsident.
Die zivile Seite begrüßt deshalb aufgrund ihrer Erfahrungen im Modellversuch die Intensivierung der ZMZ auf der Bezirks- und Kreisebene nachdrücklich. Dies zeigt sich auch in der erfreulich hochrangigen Repräsentanz von politisch Verantwortlichen bei zentralen gemeinsa­men Veranstaltungen der Modellerprobung. Aber mehr noch zeigt es sich in der praktischen Unterstützung vor Ort, z.B. mit der Bereitstellung von Büroräumen und dies trotz der bekannt engen Kassenlage der Kommunen. Die Glaubwürdigkeit der Bundeswehr, ihre Verpflichtungen nach Artikel 35 GG einzulösen, wird durch die sichtbare Präsenz eines Vertreters vor Ort gestärkt und die Zusammenarbeit erleichtert. Die schriftlichen Erfahrungsberichte der zivilen Seite waren sich da völlig einig in ihrer Bewertung.

Rahmenbedingungen sind anzupassen

Die Modellerprobung hat allerdings auch deutlichen Anpassungsbedarf aufgezeigt. So sind die administrativen Verfahren für die Einberufung oder Hinzuziehung den speziellen Anforderungen an die Verfügbarkeit der Soldaten der Reserve im Mo­dell nicht gerecht geworden. Eine Vereinfachung der Verfahren, die aus Zeiten groß angelegter Mobilmachungsübungen stammen, ist deshalb notwendig. Darüber hinaus kann der materielle Aufwand, der sich für den BeaBwZMZ in seiner Tätigkeit ergibt, mit den derzeitigen Verwal­tungsverfahren nur unzureichend erfasst und vergütet werden. In diesem Zusammenhang ist eine Vereinfachung und Anpassung der Abgeltungsverfahren in einem adäquaten Umfang zwingend notwendig, um die Attraktivität der Verwendung nicht einzuschränken.

Präsent bleiben

Kann unter Abstützung auf Soldaten der Reserve eine durch die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen notwendige Intensivierung der ZMZ im Inland auf der Bezirks- und Kreisebene erreicht werden? Als Resümee aus den bisherigen Erfahrungen in der Modellerprobung ist klar zu folgern, dass dieses neue Modell unter Abstützung auf aktive Strukturen sehr wohl funktionieren kann. Nicht zuletzt deshalb, weil die Bundeswehr sich mit ihm dem zivilen System der »Ehrenbeamten«, wie z.B. den Kreisfeuerwehrinspektoren in Rheinland-Pfalz, ang leicht. Neben einer Verbesserung der praktischen Seite der Zusammenarbeit vermag das Modell aber noch mehr zu leisten. Es zeichnet sich ab, dass so die Lücke, die mit der Ausdünnung der Präsenz der Bundeswehr in der Fläche entsteht, zumindest teilweise geschlossen werden kann. Die Streitkräfte bleiben damit dort präsent, wo sie hingehören: in die Mitte der Bürgergesellschaft.

Oberst Claus Rosenbauer ist Kommandeur im Verteidigungsbezirk 42 in Trier und mit der Funktion des Kommandeurs Landeskommando Rheinland-Pfalz beauftragt; Oberst i. G. Manfred Kreis ist G3 im Wehrbereichskommando II.

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