Die Unterstützungselemente dienen damit der eigenen Informationsgewinnung bzw. der Versorgung eigener Kräfte im Einsatz mit Informationen, aber auch der Zusammenarbeit mit befreundeten und verbündeten Streitkräften im Einsatzgebiet. Dabei sind sie ein wichtiges Bindeglied, um die Erkenntnisse der offenen Aufklärung im Einsatzgebiet und die Ergebnisse des Austausches mit anderen Nationen im multinationalen Verbund in das Gesamtsystem Nachrichtengewinnung und Aufklärung einzuspeisen. Zu diesem Zweck wird das Personal des ZNBw aus anderen Bereichen verstärkt.

Das MONICA- und BUTAN-Personal, welches sich nicht im Einsatz befindet, wird im ZNBw in den Bereichen Einsatz und Grundlagen mit der Lagebearbeitung der Länder betraut, in denen es im Einsatz war. So wird beispielsweise ein Team, das im Kosovo war, nach Rückkehr aus dem Einsatzgebiet genau diesen Bereich bearbeiten und, wenn immer möglich, dorthin auch wieder in den Einsatz zurückgehen. Damit wird ein Höchstmaß an Fachexpertise erworben und zur Anwendung gebracht.

Völlig neu im ZNBw sind Elemente zur Objektbearbeitung sowie zur Ziel- und Wirkungsanalyse, in denen die gesamte Expertise des Zentrums in den Bereichen Luftbildauswertung, GeoInfo und Infrastrukturanalyse gebündelt wird. Vor allem die »Nationale Teilhabe am Prozess der Ziel- und Wirkungsanalyse der NATO und EU« stellt eine völlig neue Herausforderung für das ZNBw dar. Die Zuarbeit für das Einsatzführungskommando und das enge Zusammenwirken mit dem Kommando Strategische Aufklärung sowie eine reibungslose, präzise Steuerung der Nachrichtengewinnung und Aufklärung werden für den Erfolg dieses Organisationsbereichs von ausschlaggebender Bedeutung sein. Hier werden auch die Luft- und Satellitenbilddaten im ressortübergreifenden KVInfoSys gesammelt und gepflegt. Sie bilden eine wichtige Grundlage, um rechtzeitig vor Beginn einer Krise unseren Streitkräften Einsatzunterlagen, vor allem zur Planung und Durchführung von »Schnell Ablaufenden Operationen« zur Verfügung stellen zu können.

Neben den beiden Kernbereichen, »Grundlagen« und »Einsatz“, gibt es die Abteilung Zentrale Aufgaben. In ihr bildet die neue Teileinheit »Informationsmanagement« einen besonderen Schwerpunkt. In diesem Element wird der gesamte nationale und internationale Informationsfluss des MilNWBw im Wirkungsgefüge von BMVg, Einsatzführungskommando, Führungskommandos der Teilstreitkräfte, der Streitkräftebasis, des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr sowie des Kommando Strategische Aufklärung gesteuert, kontrolliert und teilweise durchgeführt. Dazu werden der Informationsbedarf der unterschiedlichen Bedarfsträgerbereiche identifiziert und Informationsdefizite analysiert, Nachrichtengewinnung und Aufklärung der Bundeswehr durch Aufklärungsforderungen gesteuert und schließlich die aufbereiteten Informationen den Bedarfsträgern bedürfnisgerecht bereitgestellt. Diese »Nervenzentrale« ist praktisch verantwortlich für die verzugsarme Verteilung von eingehenden Anfragen und Aufträgen an die zuständigen Bearbeiter, die zügige Umsetzung in Aufklärungsforderungen an externe Quellen und Aufklärungskräfte sowie die zeitgerechte Absteuerung der Auswerteergebnisse zurück an die Auftraggeber. Auch die vielfältigen Beziehungen des ZNBw zu nationalen und internationalen Dienststellen und Partnern sowie seinen Informationsquellen werden von hier aus gesteuert. Informationsmanagement schließt darüber hinaus auch die Auswertung offener Quellen (z.B. Internet) ein.

Das Systemzentrum JASMIN (Joint Analysis System Military Intelligence) als vierte Abteilung ist verantwortlich für den Betrieb und Einsatz des Führungsinformationssystems des MilNWBw. Das Systemzentrum (SysZ) nimmt die Aufgaben der Systemplanung und Systemintegration bis hin zur Qualitätssicherung und zum Konfigurationsmanagement wahr. Es plant, realisiert und steuert das Netzwerkmanagement für den gesamten Informationsverbund. Spezielle DV-Aufgabenstellungen sind dabei die Anbindung von Außenstellen mittels Satellitenkommunikationsanlagen sowie die Konfiguration mobiler DV-Komponenten.

Das Systemzentrum führt auch Problemanalysen durch, pflegt und ändert die Anwendungssoftware und erstellt Software für Auswerteaufgaben aus dem Bereich Technische Aufklärung in enger Zusammenarbeit mit den Nutzern. JASMIN erlaubt in einem geschützten System sowohl einen direkten Zugriff aller angeschlossenen Nutzer auf Daten und Dateien des ZNBw als auch den Datenaustausch untereinander.

Die fünfte und letzte Abteilung umfasst das Ausbildungszentrum MilNWBw. Die Anforderungen an das im MilNWBw eingesetzte Personal und ihre Professionalität haben sich durch die geänderten Rahmenbedingungen und den neuen Auftrag der Bundeswehr erheblich gewandelt; dies gilt für alle Bereiche, in denen G2/A2-Personal eingesetzt ist, vor allem für das ZNBw selbst. Heute werden deutlich höhere qualitative Anforderungen an die Lagebearbeiter gestellt als zu früheren Zeiten. Es müssen daher auch auf diesem Felde neue Wege beschritten werden, um den gewachsenen Bedürfnissen der politischen Leitung des BMVg und der militärischen Führung der Bundeswehr gerecht zu werden und die eingeleiteten strukturellen und materiellen Neuerungen inhaltlich mit Leben zu füllen.

Ab Juli 2002 wird die heutige Schule für Nachrichtenwesen der Bundeswehr in das ZNBw eingegliedert. Nach Fertigstellung eines entsprechenden Gebäudes und Verlegung des Personals von Bad Ems zum ZNBw sowie der dann möglichen engen Verzahnung von Praxis und Lehre am selben Ort unter einheitlicher Führung wird – voraussichtlich ab 2005 – eine noch stärker als bisher auf die Bedürfnisse und Erfahrungen der Streitkräfte ausgerichtete Lehre und deren flexible Anpassung und Weiterentwicklung ermöglicht.

Professionalisierung verbessern

Das Ziel einer verbesserten Professionalisierung im MilNWBw bedarf aber auch optimierter Personalauswahl- und führungsprozesse sowie eines stärker zielorientierten Verwendungsaufbaus. Der im MilNWBw eingesetzte Offizier und Unteroffizier der Zukunft muss selbstverständlich die jeweils spezifische G2/ A2-Stabsarbeit seiner Dienststelle/Stabsabteilung/ Teileinheit handwerklich beherrschen. Darüber hinaus muss er aber auch in sicherheits- und militärpolitischen Kategorien denken, in seiner Analyse die Frage beantworten können, welche Bedeutung und welche Auswirkungen die von ihm erarbeiteten Feststellungen und Bewertungen auf den Auftrag des eigenen (Groß-)Verbands, der Bundeswehr oder das sicherheitspolitische Dispositiv Deutschlands haben. Er muss die Arbeitsweisen und Verfahren

von Verbündeten und Partnern, mindestens aber die der NATO und der Europäischen Union kennen und in internationalen bzw. multinationalen Einsätzen anwenden können; denn auch wenn Nachrichtenwesen/»Intelligence« bis auf Weiteres eine nationale Domäne bleiben wird, so findet die tägliche Arbeit auch des deutschen G2/A2-Personals zunehmend in einem multinationalen Kontext statt. Weiterhin muss das Personal aber auch körperlich leistungsfähig und uneingeschränkt auslandseinsatzfähig und -willig sein, was angemessene Sprachfähigkeiten einschließt.

Zusammenwirken optimal gestalten

Die neuen, erweiterten Aufgaben der Bundeswehr stellen neue Anforderungen an das MilNWBw und damit an das ZNBw. Um diesen gerecht zu werden, muss das ZNBw über die Fähigkeit verfügen, bedrohungsgerecht, streitkräftegemeinsam, einsatzorientiert und im multinationalen Kontext zu agieren und zu reagieren. Die dazu notwendigen Veränderungen und Verbesserungen, einschließlich der entsprechenden ebenengerechten Fähigkeiten und Mittel zur Nachrichtengewinnung und Aufklärung sind von der politischen und militärischen Führung der Bundeswehr erkannt und anerkannt. Der eingeleitete Anpassungsprozess bedarf der kontinuierlichen Evaluierung und Nachsteuerung, auch im Kontext neuer Rahmenbedingungen und Herausforderungen, beispielsweise mit Blick auf die Bekämpfung des internationalen Terrorismus.

Auf diesem Gebiet, aber auch in anderen Bereichen, wird es in Zukunft darauf ankommen, das Zusammenwirken aller Bereiche des MilNWBw optimal zu gestalten und gleichzeitig die Zusammenarbeit und gegenseitige Ergänzung zwischen dem ZNBw und den Nachrichtendiensten auszubauen und mögliche Synergien noch besser zu nutzen. Nur so kann die Leistungsfähigkeit für die Einsatzunterstützung der Bundeswehr auf dem Gebiet der aktuellen, einsatzorientierten G2/A2-Lagebearbeitung für den Bundesminister der Verteidigung als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt sowie für die Streitkräfte auf dem erforderlichen hohen Niveau sichergestellt werden.

Die entsprechenden Weichen wurden durch die Entscheidungen zur Bundeswehrreform von Grund auf und die Weisungen für die Ausplanung der Streitkräfte, Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche gestellt; es gilt, das Momentum zu erhalten und zu nutzen. Ein einsatz- und bedarfsorientiertes, effektives und effizientes ZNBw ist unverzichtbar, wenn die politische Leitung und militärische Führung des BMVg auf gesicherten Erkenntnissen an der nationalen und internationalen Meinungsbildung und Entscheidungsfindung mitwirken und die Bundeswehr ihre anspruchsvollen Aufgaben im gesamten Spektrum erfüllen soll.

Brigadegeneral Armin Hasenpusch ist Amtschef des Amts für Nachrichtenwesen der Bundeswehr

Gliederung ZNBw
Eine mobile National Intelligence Cell bei den ISAF-Kräften in Afghanistan. (Fotos/Grafiken: ANBw)