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Aufklärung im Einsatzgebiet In Ergänzung zur weltweiten und weiträumigen Aufklärung wird mit den Mitteln zur Aufklärung im Einsatzgebiet dem hohen und oft sehr spezifischen Informationsbedarf der im Einsatzland eingesetzten Streitkräfte Rechnung getragen. Die Erarbeitung des erforderlichen Fähigkeitsprofils wird 2003 abgeschlossen sein. Im Ergebnis soll die Systemvielfalt künftiger Aufklärungssysteme auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Zugleich sind die Fähigkeitslücken unterhalb der weltweiten und weiträumigen Aufklärung gezielt zu schließen und die Interoperabilität im nationalen und multinationalen Verbund sicher zu stellen. Verbund Nachrichtengewinnung und Aufklärung Der künftige komplementäre Aufbau der nationalen Aufklärungsarchitektur sieht Überlappungen im Fähigkeitsprofil der einzelnen Systeme nur noch dort vor, wo es aus operationeller Sicht sinnvoll und notwendig ist. Um den Informationsbedarf aller Bedarfsträger schneller und umfassender decken zu können als bisher, wird ein streitkräftegemeinsamer Verbund von Nachrichtengewinnung und Aufklärung implementiert. Durch
erschließt sich ein erhebliches Synergiepotenzial. Die Untersuchungen der notwendigen Maßnahmen zur Realisierung des Verbunds haben begonnen und werden 2003 abgeschlossen sein. Somit ist gewährleistet, dass Verbesserungen in der Aufklärungsfähigkeit einhergehen mit dem Aufbau eines effektiven Informationsmanagements. Informationstechnologie Bei der notwendigen, den Einsätzen angepassten Modernisierung der Informationstechnologie des MilNWBw sind die Erneuerung des Führungsinformationssystems JASMIN (Joint Auswertesystem Militärisches Nachrichtenwesen) und die Realisierung des zukünftigen Auswertesystems der Fm/Elo- AufklBw GAST (Gemeinsames Auswerte-System der Technischen Aufklärung) von besonderer Bedeutung. JASMIN als Führungsinformationssystem des MilNWBw wird streitkräftegemeinsam genutzt. Zugleich dient es der Informationsversorgung in allen Einsatzgebieten. Durch eine Ausstattung mit neuen Fähigkeiten in den Bereichen Lagebearbeitung und Datenhaltung wird die Fähigkeit zur Unterstützung im Einsatz heutigen Erfordernissen gerecht. JASMIN ist elektronisch an den multinationalen Verbund des MilNW der NATO-Nationen angeschlossen. GAST ist das künftige DV-System für die signalerfassende Aufklärung. Es wird die Verbände des KdoStratAufkl mit einer einheitlichen DV-Infrastruktur, standardisierter Software und gemeinsamer Datenhaltung in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben unterstützen. Die Realisierung von GAST ist Voraussetzung zur Herstellung der vollständigen Einsatzbereitschaft des KdoStratAufkl. MilNWBw im Einsatz Einsatz und Einsatzunterstützung sind zentrale Herausforderungen für die Streitkräfte. Das MilNWBw nimmt mit eigenen Kräften und Mitteln daran teil und unterstützt durch einen ganzen Fächer von Leistungen. Zentrales Element innerhalb des einsatzbezogenen Informationsgeflechts ist das ZNBw. Von dort aus werden Kräfte und Mittel der Aufklärung durch Aufklärungsforderungen gesteuert und eintreffende Lageinformationen aus den Einsatzgebieten mit Informationen von dritter Seite (BND, NATO/EU, MilNW anderer Staaten, Militärattachéstäbe etc.) und den Grundlagendaten in Beziehung gebracht, zu einem vollständigen Lagebild verdichtet und den Bedarfsträgern zur Verfügung gestellt. Unterstützungselemente MilNWBw Zur unmittelbaren Unterstützung der Lagebearbeitung im Einsatz werden durch das ZNBw Unterstützungselemente MilNWBw (z.B. German National Intelligence Cells - GENIC) bereitgestellt. Sie sind mobil, rasch in ein Einsatzgebiet zu verlegen und befähigt, multinationale Hauptquartiere, den Kontingentführer und andere Bedarfsträger mit Erkenntnissen des MilNWBw zu unterstützen. Neben der Informationsversorgung eigener Kräfte dienen sie auch der Kooperation mit befreundeten und verbündeten Streitkräften im Einsatzland. Durch den unmittelbaren Informationsaustausch mit deren National Intelligence Cells (NIC) können sie zur nationalen Lagefeststellung ergänzend beitragen. Task-Forces Fm/EloAufkl und EK Kräfte und Mittel der Fm/EloAufkl und des EK werden für den Einsatz modular zusammengestellt. Auf der Grundlage von Bedarfsforderungen des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) wird durch das KdoStratAufkl eine auf den Auftrag optimierte durchhaltefähige mobile Task-Force dem Führer des nationalen Kontingents unterstellt. Die Zusammenstellung der Kräfte und Mittel erfolgt aus dem Gesamtdispositiv der dem KdoStratAufkl unterstellten Einheiten maßgeschneidert für den jeweiligen Auftrag. Diese Verfahrensweise gewährleistet den Zugriff auf alle Kräfte und Mittel der Fm/EloAufkl und des EK, reduziert den Koordinationsbedarf und stellt die Durchhaltefähigkeit auch bei längeren Einsätzen sicher. Human Intelligence Human Intelligence (HUMINT) hat sich als wertvolle Ergänzung der Aufklärung mit technischen Mitteln bewährt. Einem daraus gewachsenen hohen Bedarf an HUMINT-Kräften in den Einsatzgebieten steht bislang nicht genügend verfügbares und entsprechend fremdsprachlich ausgebildetes Personal gegenüber. Der Aufwuchs der Aufklärungskräfte HUMINT, im Wesentlichen getragen von den Feldnachrichtenkräften der Bundeswehr (FNKräfteBw), wird derzeit mit Priorität vollzogen. Mit zukünftig einem Feldnachrichtenzentrum und fünf Feldnachrichtenzügen der Mechanisierten Divisionen wird der gewachsenen Bedeutung von HUMINT für die Einsätze der Bundeswehr besser als bisher Rechnung getragen. Medical Intelligence Auslandseinsätze erfordern präzise Informationen der spezifischen gesundheitlichen Risiken für die Truppe. Das Spektrum dieser Risiken umfasst übertragbare Krankheiten, Umweltbedingungen und Grenzen der medizinischen und sanitätsdienstlichen Versorgung vor Ort. Informationsgewinnung zu gesundheitlichen Risiken - also Medical Intelligence (MEDINT) - hat mit der steigenden Zahl von Auslandseinsätzen erheblich an Gewicht gewonnen. Verantwortlich für MEDINT ist das Sanitätsamt der Bundeswehr, das auf der Grundlage von Informationen aus allen zugänglichen Quellen vor möglichen Gesundheitsgefährdungen warnt, Präventivmaßnahmen empfiehlt und somit einen bedeutenden Beitrag zum vorbeugenden und laufenden Schutz eigener Kräfte leistet. Schutz und Sicherheit deutscher Streitkräfte Der Schutz der im Ausland eingesetzten Streitkräfte vor extremistischen, terroristischen und nachrichtendienstlichen Kräften, aber auch vor kriminellen Aktivitäten, hat für die politische und militärische Führung einen hohen Stellenwert. Ohne erfolgreiche "Force Protection" wären Akzeptanz und Gelingen eines jeden Einsatzes in Frage gestellt. Zum Schutz der Truppe trägt neben der Auswahl geeigneten Personals und neben materiellen Maßnahmen vor allem eine realitätsnahe Ausbildung bei. Durch sie werden den Soldaten die zu erwartenden Risiken aufgezeigt und situationsgerechte Verhaltensmaßregeln vermittelt. Für diese Schutzmaßnahmen liefert das MilNWBw durch zeit- und bedarfsgerechte Informationen wesentliche Entscheidungshilfen. Einsätze in unruhigen und instabilen Regionen der Welt dürfen jedoch nicht den Blick darauf verstellen, dass deutsche Streitkräfte auch im Inland Risiken ausgesetzt sind, denen im Rahmen der Militärischen Sicherheit zu begegnen ist. Der asymmetrischen Bedrohung durch den Internationalen Terrorismus wird durch gesteigerte materielle und personelle Absicherungsmaßnahmen sowie ständigen Informationsaustausch mit zivilen Sicherheitsbehörden begegnet. Militärattachédienst An der Auftragserfüllung des MilNWBw wirkt der Militärattachédienst mit. Derzeit vertreten 60 Militärattachéstäbe die militärpolitischen, militärischen und wehrtechnischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland in insgesamt 109 Gastländern. Das Konzept für den Militärattachédienst sieht mit Blick auf die geänderten Rahmenbedingungen sowie das erweiterte Aufgabenspektrum der Streitkräfte einen moderaten Aufwuchs von Militärattachéstäben vor. Die aktuelle Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage bestätigt diese Zielsetzung und gebietet eine weitere Verdichtung und Intensivierung deutscher Informations-, Analyse- und Einflussmöglichkeiten insbesondere in jenen Regionen, die anfällig für krisenhafte Entwicklungen sind. Zusammenarbeit mit dem Bundesnachrichtendienst Die Zusammenarbeit mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) als dem einzigen deutschen Auslandsnachrichtendienst ist für das MilNWBw von besonderer Bedeutung. Die unterschiedlichen Aufgaben und die nicht vergleichbaren Mittel und Methoden bedingen die vorhandene klare Abgrenzung zwischen Nachrichtenbeschaffung durch den BND einerseits und offener Aufklärung durch die Streitkräfte andererseits. Entscheidend ist, dass das gesamte verfügbare Nachrichtenaufkommen im Rahmen der Lagebearbeitung zu einem umfassenden Bild zusammengeführt, beurteilt und den Bedarfsträgern zeitgerecht verfügbar gemacht wird. Das MilNWBw als integraler Bestandteil jeder Operationsführung der Streitkräfte trägt dabei die Verantwortung für das Lagebild und die Bedrohungsanalyse bei allen Einsätzen der Bundeswehr. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, müssen in der engen Zusammenarbeit zwischen BND und dem MilNWBw zwei Aspekte im Vordergrund stehen:
Somit ergänzen sich BND und MilNWBw im Aufbau eines umfassenden Lagebildes, ohne ihre begrenzten Ressourcen durch Duplizierung zu strapazieren. Ausblick Basis militärischer Handlungsfähigkeit sind umfassende und zeitgerecht verfügbare Erkenntnisse über krisenhafte Entwicklungen, potenzielle Konfliktherde und ein aktuelles Lagebild in einem möglichen oder tatsächlichen Einsatzgebiet. Eine Welt, in der Distanz keine Sicherheit mehr bietet, erfordert von MilNWBw zweierlei:
Personelle, strukturelle und materielle Fähigkeitsforderungen hierzu sind definiert, ihre Umsetzung ist eingeleitet. Dennoch wird die jetzt begonnene Neuorientierung des MilNWBw nur ein Zwischenschritt eines laufenden Anpassungsprozesses sein können. Es liegt in der Natur des Nachrichtenwesens, sein Fähigkeitsprofil ständig erneuern und anpassen zu müssen, um der rasanten Entwicklung des Informationsaufkommens und dem damit verbundenen immer kürzer werdenden Verfallsdatum von Erkenntnissen gerecht zu werden. Die Schlüssel für diese Herausforderung liegen-neben den finanziellen Ressourcen- vor allem in der Kreativität, der Innovationsfähigkeit und dem Sachverstand der Angehörigen des MilNWBw. Sie stehen für ein modernes und attraktives Führungsgrundgebiet mit Wachstumspotenzial. Investitionen in das MilNWBw sind lohnende Ausgaben, weil sie dafür sorgen, dass die politische wie militärische Führung von Streitkräften vor und in einem Einsatz ihre Entscheidungen auf der Basis eines zuverlässigen Lagebildes und einer profunden Bedrohungsanalyse treffen können. Somit wird die Gefährdung der Einsatzkontingente reduziert und gute Auftragserfüllung ermöglicht. Flottillenadmiral Heinz-Eugen Eberbach ist Stabsabteilungsleiter II im Führungsstab der Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung |
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