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Das Kommando Strategische Aufklärung - ein neuer Großverband mit Einsatzaufgaben bereits im Frieden Kurt Herrmann Am 17. Januar 2002 wurde das Kommando Strategische Aufklärung (KdoStratAufkl) in Rheinbach bei Bonn in Dienst gestellt. In diesem neuen Kommando werden alle Kräfte und Mittel der ortsfesten und mobilen Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung (Fm/EloAufkl)1 und des bodengestützten Elektronischen Kampfes (EK) der Bundeswehr (Bw) in einem streitkräftegemeinsamen Ansatz zusammengefasst. Gleichzeitig wurden die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen für die in naher Zukunft wahrzunehmenden Aufgaben im Rahmen der abbildenden Satellitengestützten Aufklärung (SGA), für die Einführung eines neuen DV-gestützten Informationsverbundes der StratAufkl, GAST (Gemeinsames Auswertesystem Fm/EloAufklBw) sowie für den Aufbau einer zentralen Ausbildungseinrichtung, der Schule für Strategische Aufklärung der Bundeswehr (SchStratAufklBw). Dieser Gesamtansatz wird vervollständigt durch die Unterstellung einer Verbindungsorganisation zu Verbündeten und Partnern sowie der Zentralen Untersuchungsstelle der Bundeswehr für Technische Aufklärung. Alle erforderlichen strukturellen Maßnahmen sollen bis zum 31.Dezember 2004 abgeschlossen sein. Der somit in der Entstehung begriffene Großverband mit weiträumiger Dislozierung wird in seiner Zielstruktur etwa über 5.800 Soldatinnen und Soldaten sowie ca. 750 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen. Konzeptionelle Neuausrichtung Mit der Indienststellung des KdoStratAufkl wurde der Grundstein gelegt für eine tiefgreifende Veränderung in dem Bereich Fm/EloAufkl und Teilen des Elektronischen Kampfes2 (siehe Seite 20) der Bundeswehr. Diese Neuordnung trägt dem neuen sicherheitspolitischen Umfeld und dem erweiterten Aufgabenspektrum der Bundeswehr Rechnung. Art und Umfang des aktuellen Informationsbedarfs durch Nachrichtengewinnung und Aufklärung (NG&A) werden bereits durch einen Blick auf die Kräfte der Bundeswehr im Einsatz deutlich. Wesentliche Informationen für die Beurteilung der Wehrlage anderer Staaten, frühzeitige Gewinnung von Indikationen über krisenhafte Entwicklungen, zuverlässige Entscheidungsgrundlagen zum Krisen- und Konfliktmanagement sowie für politische und militärische Maßnahmen im Rahmen von Friedenserhaltung, Wiederherstellung des Friedens und damit Stabilisierung von Sicherheit lassen sich durch Kräfte und Mittel der Technischen Aufklärung gewinnen. Die politische Leitung und militärische Führung der Bundeswehr müssen rechtzeitig über ein unabhängiges Lagebild verfügen, um urteils-, entscheidungs- und handlungsfähig zu sein und um deutsche Interessen sowohl national als auch im Rahmen von NATO und EU angemessen vertreten zu können. Als Konsequenz der "Defence Capabilities Initiative" der NATO als auch in Umsetzung der "European Headline Goals" ist die Stärkung der Fähigkeit der NG&A von zentraler Bedeutung. Die Konzeption der Bundeswehr definiert demzufolge auch NG&A als eine von sechs eng miteinander verzahnten Fähigkeitskategorien. Das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (ZNBw) ist die zentrale Dienststelle der Bundeswehr für das Feststellen, Führen und Bewerten der Lage anderer Staaten und deren Streitkräfte sowie der Militärischen Sicherheitslage der Bundeswehr. Zu den Aufgaben des KdoStratAufkl gehört vor allem die Bereitstellung aktueller und zuverlässiger Informationen aus der signalerfassenden und abbildenden Aufklärung. Hauptaufgabe ist die des Truppenstellers, durch Unterstützung bei Planung und Durchführung von Einsätzen der Streitkräfte im Rahmen der Kräfte des Militärischen Nachrichtenwesens der Bundeswehr (MilNWBw). Hinzu kommt die Grundlagenerstellung. Der Aufbau des KdoStratAufkl vollzieht sich im Kontext der "Erneuerung der Bundeswehr von Grund" auf und hier im Rahmen der Neuordnung des MilNWBw. Dabei wird insbesondere der Entwicklung zu Teilstreitkraft-übergreifenden ("Joint") und multinationalen Einsätzen ("Combined") Rechnung getragen. Gleichzeitig wird die im Rahmen verfügbarer Ressourcen mögliche Modernisierung und Harmonisierung der Ausrüstung im Bereich NG&A vorangetrieben. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs insgesamt sehr deutlich bestätigt. Dabei waren nicht nur konzeptionelle und funktionale Überlegungen, sondern auch wirtschaftliche Gründe für die neue zentrale Organisationsform auf dem Gebiet der "Strategischen Aufklärung" bestimmend. Mit seinen Kräften, Mitteln und Einrichtungen im stationären und mobilen Einsatz im Rahmen weltweiter und weiträumiger Überwachung und Aufklärung, aber auch der Überwachung und Aufklärung im Einsatzgebiet, leistet das KdoStratAufkl einen wesentlichen Beitrag im Rahmen des MilNWBw zur umfassenden, auftragsorientierten sowie ebenen- und zeitgerechten Bereitstellung von Informationen. Neuordnung von Grund auf Die Zusammenfassung und Integration aller Kräfte und Mittel der signalerfassenden Aufklärung sowie großer Teile des Elektronischen Kampfes der Bundeswehr (mit Elektronischer Kampfführung wird die Gesamtheit der Mittel, Kräfte und Verfahren der Fm/EloAufkl und des Elektronischen Kampfes (EK) bezeichnet) unter dem gemeinsamen Dach des KdoStratAufkl ist inzwischen weit fortgeschritten. Seit dem 1. Juli 2002 sind dem Kommando bereits alle bisher in den Teilstreitkräften sowie dem früheren Zentralmilitärischen Bereich der Bundeswehr vorhandenen Kräfte der FmEloAufkl unterstellt. Damit sind die erforderlichen Voraussetzungen geschaffen, den Teilstreitkraft-übergreifenden Ansatz konsequent durchzusetzen und die Aufgabenwahrnehmung klar auf die Bedarfslage und Forderungen der Bedarfsträger auszurichten. Darüber hinaus ermöglicht die fachliche und truppendienstliche Unterstellung der Aufklärungskräfte eine einheitliche und prozessorientierte Führung aus einer Hand. Gerade darin liegt der zukünftige Mehrwert des Kommandos gegenüber der bisher Teilstreitkraft-orientierten Struktur und Arbeitsweise, d.h. es werden Synergien freigesetzt und genutzt, die zu einer nachhaltigen Stärkung dieses Teils der NG&A führen. Das Kommando ist in die neue Struktur des Militärischen Nachrichtenwesen der Bundeswehr (MilNWBw) bzw. der NG&A der Bundeswehr eingebunden. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben bearbeitet die FmEloAufkl der Bundeswehr ausschließlich militärisch relevante Sachverhalte und Interessengebiete außerhalb des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland. Die Aufklärung des Kommandos richtet sich niemals gegen deutsche Staatsbürger. Mit der Teilkonzeption Aufklärung ist ein wesentliches konzeptionelles Grundlagendokument für den Bereich NG&A erlassen. Darin wird u.a. auch festgestellt, dass nur komplementär wirkende Aufklärungssysteme das geforderte Fähigkeitsspektrum zur weltweiten, weiträumigen und einsatzbezogenen Überwachung und Aufklärung erbringen können. Deshalb werden für Einsätze so genannte "EloKa-Task Forces" jeweils lage- und auftragsbezogen zusammengestellt. Ihre Zusammensetzung richtet sich sowohl nach dem Ansatz der eigenen Kräfte als auch nach der Elektronischen Bedrohung im Einsatzgebiet. Die Fähigkeit zur weltweiten und weiträumigen Überwachung und Aufklärung muss dabei unabhängig von der Nutzung fremder Hoheitsgebiete sichergestellt werden. Dies zwingt dazu, die eingesetzten Kräfte und Mittel so auszulegen, dass sie vom Territorium der Bundesrepublik Deutschland aus, wie auch auf Hoher See oder luft- bzw. raumgestützt operieren können. Um eine kontinuierliche, großräumige und verzugsarme Lagefeststellung sicher zu stellen, sind an die unter dieser Zielsetzung eingesetzten Kräfte und Mittel besondere Anforderungen hinsichtlich Mobilität, Ausdauer, Verfügbarkeit und Abstandsfähigkeit zu stellen. Zugleich ist die Fähigkeit zur sicheren und geschützten Übertragung hoher Datenmengen über große Entfernungen erforderlich. Überwachung und Aufklärung im Einsatzgebiet zeichnet sich durch erhöhte Anforderungen an Genauigkeit und Aktualität der benötigten Informationen aus. Überwachung und Aufklärung im Einsatzgebiet bedeutet vor allem zielbezogene Aufklärung und Identifizierung von einzelnen Vorgängen, Objekten und Kräften. Die daraus resultierenden Anforderungen an die Aufklärungskräfte gleichen zwar grundsätzlich den in der weiträumigen Überwachung und Aufklärung eingesetzten Kräften und Mitteln, die Bedrohungssituation vor Ort stellt jedoch erhöhte Forderungen an den Eigenschutz, die Mobilität und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit im operativ-taktischen Verbund. Dies umfasst sowohl die technischen Forderungen an multinationale Interoperabilität bei der Informationsübertragung als auch inhaltliche Aspekte zum Lagebild- und Informationsaustausch. Auftrag und Aufgaben des KdoStratAufkl Gemäß der neuen Terminologie der Teilkonzeption Aufklärung der Bundeswehr sind Aufgaben der signalerfassenden und abbildenden Aufklärung sowohl bei der weltweiten und weiträumigen, als auch bei der Aufklärung im Einsatzgebiet wahrzunehmen. Das KdoStratAufkl ist truppendienstlich dem 2001 neu geschaffenen Streitkräfteunterstützungskommando (SKUKdo) und fachlich der Stabsabteilung II im Führungsstab der Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) unterstellt. Die dem Kommando zugeordneten Kernaufgaben beinhalten neben der fachlichen und truppendienstlichen Führung der unterstellten Truppenteile und Dienststellen vor allem:
Nachrichtengewinnung und Aufklärung finden in einem dynamischen Prozess statt. Die signalerfassende und abbildende Aufklärung sind in diesen Gesamtprozess der NG&A eingebettet. Vorgaben für deren fachliche Steuerung ergeben sich sowohl aus dem Ständigen Aufklärungsauftrag als auch lageorientiert aus spezifischen Aufklärungsforderungen. Aufklärungsforderungen haben in jedem Fall Vorrang und werden vor allem durch das ZNBw als dem Hauptbedarfsträger im Auftrag des BMVg und der Streitkräfte gestellt. Neben diese Aufgaben der Informationsgewinnung und -bereitstellung tritt die Funktion des Kommandos als die des Truppenstellers, "Force Providers", sowohl bei Übungen als auch bei Einsätzen. Das Kommando und Geprägt wird die neue Struktur der EloKa-Kräfte im KdoStratAufkl durch eine Stärkung der Einsatzkräfte. Rückgrat sind die drei Fernmeldebereiche (FmBer) 91, 92 und 93, jeweils mit einem ortsfesten Fernmeldeaufklärungsabschnitt (FmAufklAbschnitt) und einem mobilen EloKa-Bataillon (EloKa-Btl). Der Zentralen Untersuchungsstelle der Bundeswehr für Technische Aufklärung (ZU-StelleBwTAufkl) kommt künftig verstärkt die Rolle eines Kompetenzzentrums für Technische und Technisch-Wissenschaftliche Analyse in den Aufgabenbereichen Fm/EloAufkl und Elektronischer Kampf zu. Sie trägt damit zur Verbesserung der Führungs- und Überlebensfähigkeit der eigenen Kräfte bei. Fachlich geführt wird die ZU-StelleBwTAufkl durch die Abteilung Weiterentwicklung des KdoStratAufkl. Mit der konsequenten Zentralisierung der Expertise auf dem Gebiet der signalerfassenden und abbildenden Technischen Aufklärung im Organisationsbereich der Streitkräftebasis (SKB) wurde der Aufbau einer SKB-eigenen Ausbildungseinrichtung erforderlich. Die künftige Schule für Strategische Aufklärung der Bundeswehr (SchStratAufklBw) wird dieser Forderung Rechnung tragen. Aufbauend auf eine fünfmonatige, allgemein-militärisch und fachlich verzahnte Grundausbildung in den Ausbildungskompanien der Fernmeldeaufklärungsabschnitte und EloKa-Btl wird die weiterführende lehrgangsgebundene Laufbahnausbildung querschnittlich für alle "Uniformfarben" und Dienstgradgruppen zentral im Kommandobereich durchgeführt. Die Schule wird für eine durchschnittliche Belegung mit annähernd 700 Lehrgangsteilnehmern ausgelegt und auf dem traditionsreichen Gelände der ehemaligen Marinefernmeldeschule (MFmS) in Flensburg-Mürwik errichtet. Für den Aufbau der Schule gilt ein ehrgeiziger Realisierungsplan: Die Ausbildungsbereitschaft und das Aufnehmen des Schulbetriebs ist zum Januar 2003 sicherzustellen. Hierzu werden zurzeit die Ausbildungs- und Richtziele der lehrgangsgebundenen Ausbildung für insgesamt fast 40 Lehrgänge durch KdoStratAufkl erarbeitet. Durch die Zentralisierung der EloKa-Ausbildung im KdoStratAufkl wird eine deutliche Stärkung des Ausbildungsstandes des eingesetzten Personals erwartet. |
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| Brigadegeneral Dipl.-Inform. Kurt Herrmann, Kommandeur Kdo StratAufkl. (Fotos/Grafiken: Kdo StratAufkl) more... | |||||||
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